Reintalerhof

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bis 1933

1934 - 1945

1946 - 1982

1983 bis heute

Der Reintaler Hof

Der Reintalerhof

Abschnitt 3

Neue Blütezeit und das Ende
1945 bis 1982

Letzte Aktualisierung: 28. Dezember 2017

 

Schon bald nach dem zweiten Weltkrieg wird der Reintaler Hof wieder bewirtschaftet und betrieben. Herr Prof. Ernst Cramer erzählt in seiner Festrede anlässlich der 59. Convention am 25. August 2006: "Unabhängig davon veranstalteten fahrende Mitglieder der Militärregierung von Bayern ein erstes deutsch-amerikanisches Kolloquium. Es fand in jener Zeit auf dem Reinthaler Hof oberhalb der Partnach-Klamm in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen statt."

Die Jugendfrage 1946 betrifft auch den Reintalerhof Am 7. Dezember 1946 berichtet die Mittelbayerische Zeitung in ihrer Ausgabe No. 108 über eine Konferenz zur deutschen Jugendfrage. In diesem Beitrag wird auch über die Gewerkschaftsjugend geschrieben und über den Reintalerhof ("ein wunderbarer Hochgebirgshof, inmitten der herrlichsten, alpinen Landschaft"), der der Jugend als Erholungsheim zur Verfügung steht.
Im Weekly Information Bulletin vom 30. 06. 1947 des OMGUS (Office of Military Government for Germany (U.S.) ) findet sich ein Bericht von Alice Hanson Cook mit zwei Bildern über die Trade Union School am Rheintaler-Hof. Im Weekly Information Bulletin vom 30. 06. 1947 des OMGUS (Office of Military Government for Germany (U.S.) ) findet sich ein Bericht von Alice Hanson Cook mit zwei Bildern über die Trade Union School am Rheintaler-Hof.

Der Reintaler-Hof 1947

"Scenes at the Rheintaler-Hof near Garmisch, used as a trade union school bei the Bavaraian Federation of Labor."

Trade Union School am Rheintaler-Hof.

"View of the building returned to the unions a few months ago. Gustav Schiefer, president of the Bavarian federation, surounded by students picked from various unions for the two-week course."

Vermutlich ebenfalls um 1947 findet sich in einem Dokument "A Description of Worker' Education today" eine Beschreibung von 14-tägigen Kursen, die am Reintalerhof durchgeführt wurden.
Direktor war Josef Kurth.
Der Lehrplan dieser Kurse mit bis zu 30 Teilnehmern beinhaltete unter anderem auch Haus- und Gartenarbeit am Raintalerhof, Volkstanz, Singen und Diskussionsabende.

Der Raintalerhof in einer Beschreibung

Josef Kurth, Direktor am Reintalerhof - Bierdimpfls Revolution

Josef Kurth war der Autor des Buchs: "Bierdimpfels Revolution. Eine nicht ganz frei erfundene deutsche Geschichte", das 1946 im Rheinischen Volksverlag in Mainz erschienen ist.

Er unterrichtete nach 1945 u. a. an der Georg-von-Vollmar-Schule in Kochel.

  Vom 29. 6. bis 4. 7. 1947 finden u. a. auch auf dem Reintalerhof Nachbesprechungen und Konferenzen im Anschluss an die erste Internationale Jugendkundgebung am 28. Juni 1947 statt.
 

Der Reintaler Hof nach dem 2. Weltkrieg. Eine der ersten Karte von 1949

Am 4. März 1949 schickt ein(e) W. Klauber diese Postkarte nach Nürnberg und berichtet von winterlichen Bergen, in denen sie in den letzten Tagen auf dem Reintalerhof fast eingeschneit wurden.

Nach dem Krieg: Der Reintalerhof

Diese Karte ging 1951 nach Stein bei Nürnberg.
Man sitzt bei einem Glas Milch und Kuchen, "vorne rechts an der Ecke".
Die Karte selbst stammt aus der Kriegszeit und wurde wohl noch weiter verkauft.

1949 erscheint in "Aufwärts", der Jugendzeitschrift des
Deutschen Gewerkschaftsbundes in der britischen Zone,
Ausgabe Nr. 24 vom 19. November, ein ganzseitiger Artikel
"Erster Jugendtag der Deutschen Postgewerkschaft"
.
Dort wird der Raintalerhof interessanterweise beim Kainzenbad angesiedelt.
Garmisch-Partenkirchen als der Hauptort wird kaum erwähnt.

1949 erscheint in "Aufwärts", der Jugendzeitschrift des Deutschen Gewerkschaftsbundes in der britischen Zone, Ausgabe Nr. 24 vom 19. November, ein ganzseitiger Artikel "Erster Jugendtag der Deutschen Postgewerkschaft".

Der erste Jugendtag der Deutschen Postgewerkschaft im Reintalerhof 1949
1949 erscheint in der Mittelbayerischen Zeitung, Ausgabe Nr. 134 vom 19.11.1949 ein Artikel zum geplanten und wohl schon begonnenen Kraftwerksprojekt im Reintal.

Im Januar 2012 meldet sich Frau Veronika Fries bei mir. Und sie erzählt von ihren Erlebnissen auf dem Reintalerhof:

Frau Fries, eine geborene Waldkirchnerin, kam mit 17 Jahren nach der Währungsreform auf den Reintalerhof, der 1949 wieder der Gewerkschaft gehörte. Verwalter waren das Ehepaar Riedl aus dem Bayerischen Wald. In dieser Zeit firmierte der Reintalerhof als "Alpenhotel - H. Riedl".
Damals waren Arbeits- und Ausbildungsplätze rar und man war froh um jede Arbeitsmöglichkeit.
Für Frau Fries war es eine schöne Zeit und sie hat sich auf dem Reintalerhof immer sehr wohl gefühlt. Und es war eine spannende Zeit, mit auch bedeutenden Besuchern, wie zum Beispiel Bankiers aus Paris, die auf den Hof gekommen sind. Es war immer sehr viel Betrieb und Besuch auf dem Reintalerhof.
Eine wichtige Aufgabe war die Ausbildung von Gewerkschaftssekretären, die über mehrere Wochen auf dem Hof blieben.

Das Jugendheim, oberhalb des Reintalerhofs wurde mit Schulklassen belegt. Frau Fries erinnert sich noch gut an zwei Klassen, die aus Offenbach kamen.
Mit ihren Lehrern brachen die beiden Klassen in die Berge auf. Eine Klasse kam am Abend wieder zurück, die andere nicht. Die mussten im Gebirge übernachten und konnten erst am nächsten Tag zurückkommen.

Oberhalb des Mulistalls war das sogenannte „Durchgangslager“, zwei einfache Hütten mit Matratzenlagern, in der die Bergsteiger, die auf dem Weg zur Zugspitze waren, übernachten konnten.

Während der Zeit von Frau Fries auf dem Reintalerhof, von 1949 bis Ende 1951, wurde die gesamte Versorgung mit drei Mulis durchgeführt, für die es einen eigenen Mulistall gab. Der Weg zum Reintalerhof war zu dieser Zeit nur für Militärjeeps zu befahren.
Drei Hausmeister kümmerten sich um die Anlage.

Am Abend wurde viel Unterhaltung geboten, vor allem selbst erdachte und eingeübte Sketsche und Theaterstücke.
Die Mitarbeiter auf dem Reintalerhof gingen u. a. gemeinsam zum Zuschauen beim Skispringen nach Partenkirchen runter oder auch zum Besuch einer Eisrevue.
In der Partnachalm war wohl auch immer Betrieb. Dort wurde mit Lisa Leismüller, der dt. Meisterin 1950 im Slalom und 1951 im Abfahrtslauf, mit Schorsch und Martl musiziert und gesungen.

Und an eine Begebenheit erinnert sich Frau Fries besonders lebhaft: Ein Gast, der ohne Gepäck, ja sogar ohne Zahnbürste auf dem Hof ankam und viele Wochen blieb.
Das Personal wunderte sich über diesen Gast, der jedoch seine Getränke anstandslos bezahlte. Bis dann eines Tages die Polizei den Herrn abholte - Er wurde steckbrieflich gesucht.

In einem Magazin wird am 11. 02. 1950 über die Ferienmöglichkeiten berichtet: "Doch unsere bayrischen Kollegen haben schon seit langer Zeit Ferienheime wieder in eigener Verwaltung. In den landschaftlich schönsten Gegenden der bayrischen Berge stehen die Erholungsheime Raintaler Hof bei Garmisch-Partenkirchen und Hallthurn bei Bad Reichenhall den Kollegen wieder zur Verfügung. Für die Jugend sind mit der Winklmooshütte bei Reit im Winkl, dem Jugendheim Raintaler Hof und der Suttenhütte ganz besondere Ferienmöglichkeiten für Sommer und Winter geschaffen. Hier können Jugengruppen zu ganz billigen Preisen ihren Urlaub gemeinsam verbringen."

 

Die Suttenhütte, ähnlich wie das Jugendheim des Raintalerhofs

 

Wohl eine der ersten Postkarten vom Reintalerhof nach dem Krieg - Verschickt am 27. 7. 1950

Wohl eine der ersten Postkarten, die nach dem 2. Weltkrieg verschickt wurden. Diese wurde am 27. 7. 1950 gestempelt und ging nach Großschönau in Sachsen.

1950 und 1951 gibt es weitere Beiträge im "Aufwärts":
In der Ausgabe vom 6. Mai 1950 wird unter der Überschrift "Fährst du mit?" für die Gewerkschaftsheime geworben.

In der Ausgabe vom 6. Mai 1950 wird unter der Überschrift "Fährst du mit?" für die Gewerkschaftsheime geworben.

Und in der Ausgabe vom 26. Juli 1951 ist ein kurzer Reisebericht der Gewerkschaftsjugend Kempten zu finden.

 

Und in der Ausgabe vom 26. Juli 1951 ist ein kurzer Reisebericht der Gewerkschaftsjugend Kempten zu finden.

 

Frau Ingrid Schober macht 1951 mit ihren Eltern Urlaub auf dem Reintalerhof:

Familie Schober im August 1951 auf dem Reintalerhof

Sommertage im August 1951 auf dem Reintalerhof.
Man entspannt und sonnt sich und ist wohl auch froh,
dass es in Deutschland langsam wieder Perspektiven gibt.

Ein fröhlicher Abend 1951 auf dem Reintalerhof

Ein wenig feiern mit der Familie, im Kreis von Kollegen und anderen Erholungssuchenden auf dem Reintalerhof.
Endlich gehört der Hof wieder den Arbeitern.

Erholung auf der Terrasse des Reintalerhofs

Eine pfiffige Aufnahme:
Der oder die Fotograf(in) knipst vom Balkon nach unten auf die Terrasse des Reintalerhofs.
Spannend auch, was wohl auf den Tellern liegt.
Ein Stück Brot? Etwas Kuchen?

 

Herzlichen Dank an Frau Ingrid Schober für diese privaten Fotos.

Und auch hier wird ein wenig genascht!

 

1952 ging der Reintaler Hof wieder an die IG Metall zurück. Danach erfolgte ein letzter Umbau des Gebäudes.
Das flache Schieferdach wurde verändert, die Bettenzahl auf 45 erhöht.

In den fünfziger Jahren, möglicherweise aber auch schon früher, wird ein bauliches Problem des Reintalerhofs deutlich: Es gibt Bergrutschungen.
Der Hang, auf dem der Reintalerhof steht, bewegt sich talwärts. Zwar nur wenige Millimeter, zwischen 3 bis 6 pro Jahr, aber doch soviel, dass sich immer wieder Schäden in der Bausubstanz ergeben haben und weiter ergeben. Im Mauerwerk zeigen sich Risse, die langsam größer werden und dauernd ausgebessert werden müssen.

 

Der veränderte und umgebaute Reintalerhof bekommt dann diese Grundrisse im Haupt- und Nebenhaus.

In einem Beitrag in der "Metall Nr. 23", vom 12. November 1952 berichtet Wilhelm Glade aus der Zeit von 1929, als beschlossen wurde, den Raintaler Hof zu kaufen. Der Artikel findet sich hier.

In einem Beitrag in der "Metall Nr. 23", vom 12. November 1952 berichtet Wilhelm Glade aus der Zeit von 1929, als beschlossen wurde, den Raintaler Hof zu kaufen.

 

Von 1952 bis 1955 waren Josef und Monika Schels als Arbeiter auf dem Reintaler Hof tätig. 1957 sind sie in die USA ausgewandert und lebten bis 1995 in Chicago, jetzt in Wisconsin.

Monika Schels, geb. Rodler, stammt aus Kanau-Waldkirchen im Bayerischen Wald, Josef Schels aus Regensburg. Kennengelernt haben sich die beiden dann auf dem Reintaler Hof, wo Monika als Zimmermädchen und Josef als Hausmeister tätig waren. Im Jahr 1955 heirateten sie. Der Reintaler Hof hat damit auch zu (mindestens) einer Ehe beigetragen.

Monika Schels berichtet, dass sie damals, Anfang der fünfziger Jahre, jeden Tag zur Arbeit auf den Reintaler Hof hochgegangen sind. Lebensmittel und aller weiterer Bedarf wurde täglich mit den Mulis transportiert. Und die Touristen wurden täglich abgeholt.
Josef und Monika Schels haben mir freundlicherweise durch ihre Tochter Margarete Schels die folgenden Fotos zur Verfügung gestellt.

Der Reintaler Hof um 1954 - Gemütliche Rast

Der Reintaler Hof um 1954 - Gemütliche Rast.

Der Reintaler Hof um 1954

Der Reintaler Hof von vorne.

Beim Jugendheim des Reintaler Hofs um 1954

Beim Jugendheim - Ort teils lebhafter Erfahrungen der jugendlichen Gäste.

Musik vor dem Jugendheim des Reintalerhofs um 1954.

Großer Waschtag auf dem Reintaler Hof um 1954

Großer Waschtag.

Ein Blick in die Kamera - Reintaler Hof 1954

Ein Blick in die Kamera.
Und es ist Winter am Reintaler Hof.

Ein wenig Entspannung auf dem Reintaler Hof um 1954

Ein wenig Entspannung nach der Arbeit.

Eine gemütliche Runde im Reintaler Hof um 1954

Eine gemütliche Runde ...

Die Mulis vom Reintaler Hof mit Helmut um 1954

Die Mulis, Mucki und Liesl, vom Reintaler Hof mit Helmut.
Der dritte Muli Jakob ist wohl noch im Biergarten geblieben.

Herzlichen Dank an Maria, Josef und Margarete Schels
nach Wisconsin, USA für diese privaten Fotos!

1954 wird das Kraftwerk erweitert. Die Gebühr für die Wassernutzung beträgt in diesem Jahr 130 DM.

1953 sendet man wieder Grüße vom Reintaler Hof.

1953 sendet man wieder Karten-Grüße vom Reintaler Hof.
Diesmal nach Sulzbach-Rosenberg.

Die Muli vom Reintaler Hof. Helmut mit Mucki, Liesl und Jakob um 1954.

Helmut mit Mucki, Liesl und Jakob um 1954.

Ein Foto von 1954 vom Reintalbauern Dieses Foto von 1954 zeigt eine Gruppe von Bergwanderern, beim Aufbruch oder bei der Rast vor dem Reintalbauern. Die Herren in kurzen Lederhosen, die Damen im Dirndl.
Entwickelt wurde das Foto von Foto Brink in Forchheim auf einem Agfa Lupex-Papier.

Der Speisesaal. Schön eingedeckt und auch der große grüne Kachelofen ist noch gut erhalten.

Der Speisesaal im Reintaler Hof.
Frisch gedeckt und der große grüne Kachelofen rechts ist noch intakt.

Das Bierstüberl im Reintalerhof

Das Bierstüberl, Ort vieler und vermutlich fröhlicher Umtrunkrunden.

 

Der Blick vom Ferienheim Reintalerhof auf die Alpspitze im Winter.

Wieder eine freundliche Urlaubskarte an den Konsum in Holzhausen im Kreis Lübbecke, Westfalen

Wieder eine freundliche Urlaubskarte an den Konsum in Holzhausen im Kreis Lübbecke, Westfalen.

 

Und ein weiteres Motiv.
Der Reintalerhof diesmal mit den umgebenden Sehenswürdigkeiten angereichert.

 

Und ein weiteres Motiv. Der Reintalerhof diesmal mit den umgebenden Sehenswürdigkeiten angereichert.

Vermißter Gast des Reintalerhofs nur noch tot aufgefunden Am 28. 2. 1955 wird ein vermisster Gast des Reintalerhofs nur noch tot aufgefunden.
Am 23. 4. 1955 wird in der Passauer neuen Presse - Niederbayerische Zeitung ein tüchtiger Küchenbursche gesucht. 100 DM soll er als Lohn bekommen, bei freier Kost und Logis. Küchenbursche für den Reintalerhof gesucht

In den Unterlagen zum Reintalerhof taucht um 1956 ein Plan für die Trinkwasserversorgung durch das Forstamt auf. Und 1958 wird wieder die Trinkwasserversorgung erwähnt.

1959 wird die Kraftanlage mit einer stärkeren Turbine ausgerüstet, so dass 86 PS erzeugt werden können. Der Reintalerhof bezahlt nun jährlich DM 400 Wassernutzungsgebühr.

1957 werden in der Passauer neue Presse - Niederbayerische Zeitung im Frühjahr und im Herbst wieder Anzeigen geschaltet.
Ein schulfreies Anfangszimmermädchen wird gesucht, eine Bedienung und ein ordentlicher Haus- und Küchenbursche. Nun bekommt der Bursche schon 130 DM und anfallendes Trinkgeld und auch die Anreisekosten werden erstattet.

Das bekannte Motiv mit der Alpspitze: Der Reintalerhof

Nach wie vor wird der hochalpine Eindruck durch eine Fotomontage bestärkt: Direkt hinter dem Reintalerhof die Alpspitze!
Was macht's den Gästen aus? Nichts.
Sie senden schöne Feriengrüße nach Köln-Nippes.

Im März 1958 schreiben Lotte und Heinz an die Familie Ulenbrank in Dortmund Kirchhörde: "Ihr Lieben!
Sind gestern nachmittag wohlbehalten hier angekommen. In den letzten Tagen hatte es hier tüchtig geschneit. Es war ein beschwerlicher Fußmarsch bis zu unserem Ziel, aber dafür scheint die Sonne heute schon am frühen Morgen und sind wir überglücklich. Ringsum von verschneiten Bergen eingefaßt genießen wir die Schönheit der Landschaft."

 

Im Juli 1958 verfasst Elisabeth Mumm, geb. Kähler, eine kurze Geschichte des Reintalerhofs.

Ein Gruß von 1962 nach München:
"Meine liebe Liesl.
Da staunste! Gell! Seit Samstag sind wir auf dem Reintalerhof und sind sehr zufrieden mit der Wahl unseres Domizils. So in der Bergeinsamkeit waren wir noch nie. Es ist das einzige Haus hier oben Hoffentlich bekommt uns Beiden die Höhe.

Dich hoffentlich wohlauf. Lb. Grüße deine Käthe König"

(Objektnummer 2216 - Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen)

Reintalerhof um 1964

Eine seltene Postkarte, wohl um 1963. Der Anbau, der Leseraum, ist zur Zeit dieser Aufnahme noch nicht erbaut.

Hier nochmals die Nordseite des Reintalerhofs.
Jetzt ist der Anbau, der Fernsehraum, schon errichtet.
Links hinter dem Eingang scheint ein Prinz I oder II zustehen.

Der Reintalerhof in den sechziger Jahren im Winter

Eine ähnliche Perspektive wie die Karte rechts. Und wieder die Alpspitze hochalpin hinter dem Reintalerhof positioniert.

Der Reintalerhof um 1963

Eine sw-Aufnahme, die in vielen Ansichtskarten wieder auftaucht. Diese Karte wurde 1963 verschickt.

Der Reintalerhof im Reintal war natürlich auch eine erste Station auf dem Weg zur Zugspitze.
In der Huber-Serie 6 - Zugspitzbestiegung durchs Reintal sind 12 Photos zusammengestellt, die den Weg nach dem Reintalerhof an einigen markanten Punkten photographisch dokumentieren.

Auf dem Weg zur Zugspitze - Der Reintalerhof Auf dem Weg zur Zugspitze - Der Reintalerhof Auf dem Weg zur Zugspitze - Der Reintalerhof

(Mit freundlicher Genehmigung durch Huber Images - Garmisch-Partenkirchen)

 

Der Bauernhof, also der ursprüngliche Reintal-Bauer, wurde bis zuletzt von Pächtern bewirtschaftet, u.a. vom Pani Michl (Michael Bartl) aus Schlattan und gehörte später der Bayer. Staatsforstverwaltung. Diese versuchte den Hof zwecks Erhaltung an einen alpinen Club zu verkaufen, nachdem die letzten Pächter sich zurückzogen. Der Verkauf erfolgte dann 1960 an die IG Metall, die den Hof im Jahr 1963 wegen Baufälligkeit abbrechen ließ. Bis zuletzt wohnten immer wieder Holzarbeiter und Forstmitarbeiter zeitweise im Bauernhof. Und diese ließen es sich nicht nehmen, am Abend zum Reintalerhof rüber zuschauen, auf ein Bier, ein wenig Unterhaltung.

 

Die Kapelle des Reintalbauern mußte 1965 als Neubau in den alten Maßen restauriert, aber an anderer Stelle aufgebaut werden und erfreut noch heute die Wanderer.
Dazu schreibt mir der Sohn des damaligen Baumeisters, Franz Baudrexl im Dezember 2017:
"Die Kapelle am Reintalerhof wurde von Johann Baudrexl ( geb. 1910 ) Inhaber des Baugeschäft Baudrexl abgerissen und an  anderer Stelle wieder errichtet. Die Steine nahm man von der alten Kapelle. Fußboden war keiner da.
Meine Mutter stammte aus Niederbayern und wusste Rat. In Pilsting (bei Landau an der Isar) wurde ein alter Bauernhof abgerissen.  Die Fußbodenziegel vom Schweinestall konnte keiner brauchen. So erhielt sie mein Vater.
Er fuhr die Ziegel mit seinem Mercedes von Niederbayern direkt zur Baustelle. Der Wagen saß einige Male auf dem Hohen Weg auf, da er natürlich überladen war. Aber mit viel Schieben gelangten die Ziegel zum Hof. Dort wurden sie unverzüglich zum Fußboden der Kapelle verbaut."

Anna Siegel verfasste am 4. 7. 1965 einen interessanten Bericht zur Einweihung der neu erbauten Kapelle am 6. Juni 1965. Vom pfingstlichen Geist sprach damals das geschäftsführende Vorstandsmitglied der IG Metall, Fritz Biggeleben.
Hier der nette Bericht von Frau Siegel aus den sechziger Jahren

Auch auf dieser Karte des Reintaler Hofs hat der Fotograf getrickst.

Auch auf dieser Karte hat der Fotograf getrickst.
Selbst in den 60er-Jahren musste man wohl noch mehr "Hochgebirge" in die Karten bringen.
Höchst interessant, wenn man diese und die Karte oben miteinander vergleicht: Die wandernde Alpspitze - wo auch immer, auf jeden Fall hintern dem Reintalerhof.
Und: 1 1/2 Stunden ist der Kartenschreiber vom Ski-Stadion aus zum Reintalerhof marschiert.

Eine tief verschneite Winterlandschaft, die Sehnsucht weckt.

Eine tief verschneite Winterlandschaft, die Sehnsucht weckt:
Auf dem Weg zum Ferienheim Reintalerhof.
Die Alpspitze durfte auf dieser Aufnahme ihren Platz behalten.

Auf dem Weg zum Reintalerhof im Winter

Wohl aus den sechziger Jahren: Traumhaftes Winterwetter und man ist auf dem Weg zur Partnachalm und zum Reintalerhof

Der Reintalerhof - Prospekt aus den sechziger Jahren

Ein Prospekt des Reintalerhofs aus den sechziger Jahren.
Schon bunt gedruckt, beschreibt er die Vorzüge eine Urlaubs auf dem Reintalerhof.
Der Prospekt richtet sich ganz direkt an Kolleginnen und Kollegen und mit Stolz schreibt man: "Der Reintaler Hof ist ein echtes Erholungsheim. Es hat keinen Anteil an dem mondänen oder halbmondänen Leben der Kurorte. Es ist trotzdem in seiner Einrichtung und seinem Baustil modern."

Der Pensionspreis für 3 ausreichende Mahlzeiten sowie Übernachtung lag bei DM 12,- für Erwachsene und DM 5,50 für Kinder bis 6 Jahre.

Von 1960 bis 1968 war Christine Schober am Reintaler Hof als Büro- und Büfettkraft beschäftigt. Sie hatte sich über das Arbeitsamt gemeldet und bei der IG Metall in Frankfurt für diesen Arbeitsplatz am Reintalerhof beworben.
Dort lernte sie ihren späteren Mann Dieter als Gast kennen. Wenig später arbeitete Dieter Schober als Hausmeister und Fahrer auf dem Reintalerhof.

Viele neue Geschichten und Erlebnisse wurden mir vom Ehepaar Schober erzählt und schöne Fotos zur Verfügung gestellt:

Auf dem Weg zum Reintalerhof

Eine wesentliche Veränderung in den vergangenen 50 Jahren ist das Wachstum der Wälder rings um den Hof. In den 60er-Jahren gab es noch viele freie Ausblicke vom Hof in das Wettersteingebirge. Und tatsächlich konnte man früher zum Beispiel auf dem Weg zum Reintalerhof die Alpspitze sehen.

Blick ins Oberreintal vom Reintalerhof

Und hier ein grandioser Blick in das Oberreintal.

 

Der Reintalerhof um 1965

Der Reintalerhof von oben. Links sieht man den Personalbau mit der Garage für den Unimog.
Hinter der Garage wurden bis 1964 drei Schweine gehalten. Zweimal im Jahr wurde dann selbst geschlachtet und das Fleisch auf dem Hof verwertet.
Der flache Anbau hinter dem Hof war der Lese- und Fernsehsaal. Mit allerhand technischer Anstrengung gelang es damals drei deutsche Sender zu empfangen und die weite Welt "da draußen" auch auf den Reintalerhof zu bringen.

Das sogenannte Jugendheim des Reintalerhofs

Das sogenannte Jugendheim, in dem eine Tischtennisplatte für die Gäste bereit stand.

Unterhalb des Jugendheims war Anfang der sechziger Jahre noch ein Ziegenbock zuhause, der sich einen Spaß daraus machte, die Gäste, sobald sie unachtsam passieren wollten, mit seinen Hörnern anzugreifen. Wohl auch deshalb mußte er bald seinen Platz räumen und vom Reintalerhof verschwinden.

Die Zwergerl vom Reintalerhof

Die Zwergerl unter südländisch anmutendem Strohdach haben lange Jahrzehnte den Brunnen vor dem Haus bewacht.
Noch bis 2010 haben sie sich in der Garage versteckt.

Der Haus- und Hofhund des Reintalerhofs: Barry

Barry, der Haus- und Hofhund mit zwei Kätzchen (die aber nicht lange geblieben sind).
So still und friedlich der Bernhardiner auf dem Bild da liegt, so sehr war er doch ein echter Rumtreiber, der immer wieder abgehauen ist und erst nach länger Zeit wieder zurück kam.
Christine und Dieter Schober erinnern sich an eine dramatische Rettung des Barry aus der Partnachklamm. Unter Aufbietung aller Kräfte und mit lebensgefährlichen Manövern gelang es Dieter Schober und dem Wegwart Fritz Winter den Hund wieder aus der Partnach herauszuholen.

Der Verwalter des Reintalerhofs: Herr Schönbeck

Familie Schönbeck, die damaligen Hausverwalter, mit Gästen vor der imposanten Kulisse des Wetterstein.

Die Mitarbeiter des Reintalerhofs feiern

Eine Personalfeier u. a. mit den Köchinnen Frau Moser und Maria Oberauer mit ihrem Mann Sepp, dem Fahrer.

Der Betrieb des Reintalerhofs war sehr personalintensiv.
Neben dem Verwalterehepaar, das überall mit anpackte, waren drei Mitarbeiter in der Küche beschäftigt, dazu kam ein Spüler. Weiter drei Zimmermädchen, eine Verwaltungskraft, die am Buffet mitarbeitete, ein Fahrer, ein Wegwart und ein Hausmeister.

Gearbeitet wurde an sechs Tagen die Woche, je nach Arbeitsplatz von 7.00 bis 22.00 Uhr. Der Verdienst lag bei ca. 230 DM im Monat.

Das Elektrizitätswerk des Reintalerhofs vor 1962

Der Hausmeister, in den sechziger Jahren Dieter Schober, mußte sich auch um das Kraftwerk an der Partnach kümmern. Das Kraftwerk, das den Reintalerhof und den Reintalbauern mit Strom versorgte.
Hier eine frühe Aufnahme, noch vor 1962, da die Forststraße noch nicht gebaut war.

Das Kraftwerk von innen

Ein Blick in das Kraftwerk.
Im Hintergrund wohl der frühere Generator, der 1959 im Zuge der Modernisierung der Stromversorgung ausgetauscht wurde.

Herr Dieter Schober im Kraftwerk des Reintalerhofs

Hier sehen wir Dieter Schober bei der Arbeit im Kraftwerk.
Grundsätzlich liefen Turbine und Generator Tag und Nacht sehr zuverlässig.
Trotzdem wurde die Anlage einmal wöchentlich vom Hausmeister gewartet. Einmal jährlich kam der Elektriker Kemmethmüller aus Garmisch-Partenkirchen und überprüfte die gesamte Anlage.

Mehr Aufmerksamkeit mußte dem Staubecken im Westen des Reintalerhofs gewidmet werden. Dieser kleine Stausee, der im Sommer auch als (Kurz-) Badesee genutzt wurde, mußte einmal wöchentlich, im Herbst auch noch öfter gereinigt werden, damit die Rechen nicht verstopften.

Die eigene Trinkwasserversorgung wurde vom Wasserwerk Garmisch-Partenkirchen (Herr Pohrer) regelmäßig überprüft.

Eine weitere Aufgabe des Hausmeisters war es, für die Heizung des Hofs zu sorgen. Die gesamte Wärmeversorgung wurde durch eine Holzheizung sichergestellt.
Die Wäscherei und der Trockenraum wurde separat mit Koks befeuert.

Und nicht zuletzt ein Relikt aus der guten alten Zeit, eigentlich nur für Hotels der Luxusklasse, war die Aufgabe des Hausmeisters bis 1964:
Er hatte auf Wunsch der Gäste deren Schuhe zu putzen, die diese einfach am Abend vor die Zimmertüre stellten.

Holztransport mit Mulis am Reintalerhof

Hier kommt Holz - aber das wird von den Mulis in die falsche Richtung gezogen. So wurde noch in den sechziger Jahren das Holz durch den Forst abtransportiert.
Dem Unimog bleibt nichts anderes übrig, als bis zur freigeräumten Ausweiche zurückzusetzen und die Mulis mit ihren Bäumen vorbeizulassen.

Der Unimog vom Reintalerhof

Aber jetzt hat der Unimog wieder freie Fahrt.
Vermutlich hat er das Bargeld, das von den Gästen auf dem Reintalerhof eingenommen wurde, zur Bank gebracht.
Und natürlich alle notwendigen Lebensmittel besorgt, Gepäck der Gäste transportiert, Schnee geräumt, und, und ...

Die Skifahrer am Reintalerhof

Die Skifahrer am Reintalerhof

Die Skifahrer am Reintalerhof

Wintersport wurde auf dem Reintalerhof groß geschrieben.

Hier erleben wir ein Skirennen, direkt unterhalb des Hofs, hinab in Richtung Partnach.
Ein Slalomkurs wurde ausgesteckt und los ging's.

Über Unfälle und spektakuläre Stürze ist nichts bekannt geworden.

Eisstockschützen am Reintalerhof

Nicht jeder Gast wollte oder konnte ein Skifahrer werden.
Andere Wintersportarten waren daher gefragt.

Und so fing man im Winter 1963 an, hinter dem Reintalerhof eine Eisstockbahn anzulegen.
Auf einem Schlitten wurde ein altes Bierfass montiert, mit warmen Wasser gefüllt und mit einigen alten Lumpen als Wischer war die Reintalerhof-Eismaschine einsatzbereit.

Der Eismeister von 1965: Dieter Schober

Der Eismeister Dieter Schober.

Blick vom Reintalerhof zur Alpspitze

Der nächste Winter kommt bestimmt.
Zeit die Holzvorräte zu ergänzen. Ein ganzer langer Schuppen auf der Nordseite des Hofs diente dazu, das Brennholz trocken zu lagern.

Dabei war die Heizung mit Holz eine Zusatzversorgung.
Die Grundwärme sowie die Warmwasserbereitung wurde nämlich elektrisch durch den im Kraftwerk selbst erzeugten Strom sichergestellt.


 

Und hinter den Arbeitern schaut die Alpspitze herüber.

Die Ehe der Familie Schober nahm ihren Anfang auf dem Reintalerhof.
Was lag da näher, als die Taufe ihres Sohnes Thomas durch
Pfarrer Hoffmann in der Kapelle beim Reintalerhof, vermutlich die letzte, im Oktober 1967 vorzunehmen.

Ganz herzlichen Dank an Christine und Dieter Schober für ihre vielen Informationen und Bilder aus den sechziger Jahren.

 

Und diese Karte des Reintaler Hofs ging nach Meiningen in Thüringen.1962.

Diese Karte ging nach Meiningen in Thüringen.1962.
Die gleiche Karte wurde 1974 nach Bad Oeynhausen geschickt, mit knappen Urlaubsgrüßen und dem Hinweis, dass das Wetter sehr gut sei und das Bier laufen würde.

Diese Ansichtskarte scheint über viele Jahre die "Standardkarte" des Reintalerhofs gewesen zu sein. Vermutlich auch die erste Ansichtskarte, die gedruckt wurde.
(Die meisten anderenk vorher gezeigten Karten sind Fotoabzüge)

Eine Luftaufnahme des Reintaler Hofs um 1963.

Eine Luftaufnahme des Reintaler Hofs um 1963.


1965 wird der Eichpfahl für den kleinen Stausee am Wieselegraben neu gesetzt, was mit einigem Schriftverkehr und Missverständnissen verbunden zu sein scheint. In diesem Jahr wird auch vereinbart, dass sich der Reintalerhof an der Instandhaltung der Bäche mit 25% der Kosten beteiligen muss.
Die Gebühr für die Wassernutzung beträgt nun wieder DM 160 im Jahr.

1966 ist die IGMET als Unterzeichner und damit Eigentümer in den Unterlagen zu finden. Geschäftsführer sind damals Hermann Meinzer und Albert Kern.

In den sechziger und den beginnenden siebziger Jahren hatte das Ferienheim Reintaler-Hof seine Blütezeit. Ein munteres Treiben scheint Sommers wie Winters im Reintaler Hof geherrscht zu haben. Um das Wohl der Gäste kümmerten sich viele Mitarbeiter, darunter die Köchin Maria Oberauer und der Fahrer und Hausmeister Sepp Winter.

Die Gäste dieser Zeit kamen miit der Bahn oder auch schon mit dem eigenen PKW.
Diese PKW mußten am Parkplatz beim Kainzenbad abgestellt werden und die Gäste wurden mit dem Jeep abgeholt. Das Gepäck kam in den Anhänger.
Die abreisenden Gäste wurden um 12.00 Uhr vom Reintalerhof nach Partenkirchen gefahren, die neu angekommen Gäste um 16.00 Uhr auf den Reintalerhof gebracht.

Die Beschreibung des Reintalerhofs aus dem Werbeprospekt
"Kur-, Erholungs- und Ferienheime der Industriegewerkschaft Metall für die Bundesrepublik Deutschland" aus den 70iger Jahren.
Der Prospekt aus den 70iger-Jahren

In den sechziger Jahren scheint diese Winterpostkarte sehr verbreitet gewesen zu sein. Hier zwei Exemplare:

Am 1. März 1967 wird diese Karte bei der Post gestempelt.
Sie ist an Josef Moirk, 8161 Loschenburg, Salzhub 128 1/3 adressiert.
Man schreibt:

"Liebe Maria und Sepp
Die besten Urlaubsgrüße aus dem Reintal sendet Euch Karl und Hanni.
Haben schon riesige schöne Touren gemacht,und mit dem Wetter sind wir bis jetzt zufrieden.
Grüße auch an Deine Eltern und Geschwister"

Die gleiche Winterpostkarte wie oben.

Diese wird am 17. Januar 1968 an die Familie Kutscherauer in Regensburg geschickt. Bruno schickt diese Grüße und schreibt: "Es sendet euch viele Grüße der Bruno.
An dich Liebe Mari und Christl und Mutter.
Ich bin gut angekommen und es hier schön auch das essen ist hier sehrt gut.
Das ist wirklich zum erholen.
Nun Adjö bis ich wieder komme Bruno."

Ein Karte, ungelaufen, wohl aus den 60er-Jahren.

Äußerst interessant - Bislang wuchtete sich hinter dem Reintalerhof die Alpspitze auf (s. oben). Nun ist sie verschwunden.
Wegen Baufälligkeit abgetragen?
Oder man hat einfach die Lust an der Retusche verloren?

Wie auch immer. Anhand der Bäume lässt sich das ungefähre Alter der Aufnahmen gut erkennen.

Und wer's bis hier noch nicht weiß, die Alpspitze war und ist westlich des Reintalerhofs und diese Ansichten hier schauen immer nach Osten.

Blick auf das winterliche Garmisch-Partenkirchen

Winterlicher Talkessel mit Blick auf das Wettersteingebirge
mit der Dreitorspitze.
Karte wohl aus den 60er Jahren.

(Mit freundlicher Genehmigung durch Huber Images - Garmisch-Partenkirchen)

Das Hinweisschild zum Reintaler-Hof

Das Hinweisschild zum Reintaler-Hof

Sonnenbad am Reintaler Hof

Ein Sonnenbad in der Wintersonne. Im Hintergrund die Ski. Der Reintalerhof war ja für viele Touristen der erste Kontakt mit dem Skilauf. Von Sepp Winter wurde Ende der sechzigrer Jahre ein Skilift installiert, der das mühselige Aufsteigen überflüssig machte.

Tiefer Winter im Reintaler Hof. Aber Sepp Winter kommt mit seinem DKW Munga durch.

Tiefer Winter im Reintal.
Aber der Sepp kommt durch, mit seinem DKW Munga.

Wintersonnenlandschaft am Reintalerhof

Die Sonne kommt wieder und lässt den Hof mit Umgebung in zauberhafter Winterlandschaft erstrahlen.
Hier mal Ferien machen ...

 

Bis 1971 war der Reintalerhof ganzjährig geöffnet. Und so war die Zeit über Weihnachten und Neujahr ein ganz begehrtes Datum, um zwei, drei Wochen Urlaub machen zu können. Das Interesse war groß und wurde immer größer. Jeder wollte über Weihnachten auf den Reintalerhof.
Die Auswahl, wer nun kommen darf und wer nicht, wurde schwieriger und mancher abgewiesene Interessent vermutete dunkle Machschaften und unzulässige Absprachen.
Letzten Endes wurde dann der Reintaler Hof ab 1972 von Anfang November bis zur ersten Januarwoche geschlossen.

 

Ankunft und Abreise immer am Mittwoch auf dem Reintalerhof

Endlich angekommen auf dem Reintalerhof.
Mittwochs war damals An- und Abreisetag.
Auf dem Jeep Peter Neumayer, der Hausleiter - überall nur der "Reintaler" genannt, der die Gepäckstücke herunter reicht.

Am Haupteingang des Reintalerhofs

Vor dem Haupteingang:
Ute Grode mit Petra Neumayer und ihrer Nichte Yvonne.

Die Gäste werden auf dem Reintalerhof schon erwartet

Die Gäste werden schon erwartet ...

Gleich ist es soweit: Das Essen wird verteilt

... gleich ist es soweit: Das Essen wird verteilt. Das Verwalterehepaar Peter und Siglinde Neumayer, tatkräftig unterstützt von der Serviererin Gerti Nummer.

Hier kann man es aushalten: In der Nische im Speisesaal des Reintalerhofs

Hier kann man es aushalten, in der "Nische":
Von links: Herr Ackermann aus Neuss, Herr Hildebrand, Herr und Frau Richter aus Fürth, Herr und Frau Meier aus Alzenau, Herr Beck aus Nürtingen, Petra, Sieglinde und Peter Neumayer sowie Frau Beck.

Und am Abend gab es dann, einmal wöchentlich, die begehrten, weil höchst interessanten Diavorträge von Sepp Winter.
In diesen Vorträgen berichtete er von seinen Bergtouren im In- und Ausland.

Die Tragkraftspritze vom Reintalerhof

Viele der Stammgäste auf dem Reintalerhof haben auch gerne mal tatkräftig mitangepackt.Hier zum Beispiel beim Hofabspritzen.
Im Vordergrund Sepp Winter mit dem Feuerwehrschlauch, Peter Neumayer an der Tragkraftpumpe und im Hintergrund Herr Voll, ein Gast.

Der Reintalerhof hatte eine eigene Tragkraftpumpe, Feuerwehrschläuche, einen Hydranten und weitere Ausrüstungsgegenstände um einen Brand im Notfall selbst löschen zu können, denn bis die Feuerwehr aus Partenkirchen auf dem Hof gewesen wäre, nicht auszudenken.

Die Schläuche wurden auch zum Hofabspritzen benutzt. Die Ausrüstungsgegenstände standen im Feuerwehrschuppen (Teil des großen Schuppens) auf der Liegewiese hinter dem Haus. Der Schuppen wurde abgerissen, als der Reintalerhof geschlossen wurde.

Ein Umtrunk nach getaner Arbeit auf dem Reintalerhof

Nach getaner Arbeit!
Von links: Enno, der Koch, Herr Voll aus Hattingen, ein unbekannter Gast,, Peter Neumayer, Wolfgang Frei, der Spüler, auch „Dicker“ oder „Flocki“ genannt, Herr Beck, Herr Meier und Sepp Winter, der Fahrer.

Staubecken putzen auf dem Reintaler HOf

Auf einem Betrieb wie dem Reintalerhof gab es immer etwas zu tun.
So beim Stauseeputzen:
Im Vordergrund Engelbert „Bert“ Mioska, der Hausmeister, dahinter Wolfgang Frei.

 

Beim Stauseeputzen.

Wolfgang Frei und Peter Neumayer.

 

Den heutigen Zustand dieses Stausees zeigt das Bild hier.

Am Reintaler Hof. Die Partnach Alm wartet.

Auf dem Weg nach Partenkirchen.
Vorne erwartet schon die Partnach Alm die Wanderinnen.

Das "geschlossene" Ferienheim Reintaler Hof.

Das "geschlossene Ferienheim" der I.G.M. Keine Restauration.
Eine möglicherweise visionäre Selbstbeschreibung?
Nein! Gemeint war natürlich nicht "nicht offen", sondern nur für Mitglieder der IG Metall reserviert.

Nach Informationen von Maria Oberauer hatte man im Reintaler Hof, bevor er aus steuerlichen Gründen "geschlossen" wurde, also nur noch für Mitglieder offen war, bis zu 100 "Passanten" pro Tag, also Tagesgäste/Touristen zu bewirten. Und da galt es für die Mitarbeiterinnen schon früh aufstehen um alles vorzubereiten und zehn und mehr Kuchen und Torten zu backen.

Entspannung und Erholung pur am Reinaler Hof

Entspannung und Erholung pur - ein Buch lesen, nichts tun ...

... oder höchsten mal intensiv und lustvoll schaukeln.

Eine friedliche Zeit am Reintaler Hof. Und Bari passt auf, dass sich alles dreht.

Und der Barry passt auf, dass alles friedlich abläuft.
Samt den Brunnenzwergerln.
Eine bessere, ruhigere, friedlichere Zeit?

Am Brunnen des Reintalerhofs

Ein wenig Entspannung und Spaß am Brunnen:
Petra Neumayer, der Koch Werner Bode und der Spüler Wolfgang Frei

Arbeit macht Durst,
sich erholen aber auch!

Ein Auswahl frischer Getränke zeigt die letzte Karte des Reintalerhofs.

 

Die letzte Getränkekarte des Reintalerhofs

 

Abreise vom Reintalerhof

Auch der schönste Urlaub geht zu Ende!
Abreise vom Reintalerhof im März 1974.
Von links: Ute Grode, Petra Neumayer und Jens Grode.

Skifahren am Reintalerhof

Skifahren mit eigenem Schlepplift. Noch bis Anfang der 80er Jahre wurde jeden Winter der hauseigene Skilift aufgebaut, und die Forstwiese unterhalb der Kapelle wurde zur Skipiste.

 

Der Prospekt zum Reintaler Hof

Ein Prospekt des Reintaler Hofs, wohl aus der Zeit um 1975

Die zweite Seite des Prospekts zum Reintaler HO

(Klick auf das Bild öffnet die Originalansicht)

 

Preisliste des Reintaler Hofs von 1976

Die Preisliste von 1976

 

Eine Postkarte aus den siebziger Jahren.
An ein Ehepaar Volleth. Mehr als "Ihr Lieben!" ist dem Absender nicht eingefallen.

Und da hat er die Postkarte auch gar nicht mehr abgeschickt ...

Im Jahr 1976 wird die Gebühr für die Wassernutzung für das Kraftwerk auf DM 250 festgesetzt.

Das Ende des Erholungsheims Reintaler Hof kam nach dem schneereichen Winter 1981/82.
Die hohen Unterhaltungskosten für das Gebäude sowie für den Zufahrtsweg, aber auch das nachlassende Interesse der Gäste am Reintaler Hof führten zur Betriebseinstellung im Oktober 1982.


Ein schneereicher Winter 1982!

Tatsächlich, wie die Bilder von Peter Neumayer zeigen.
Zuerst kämpfen sich die Schneefräsen durch den Schnee und den Lawinenstrich am Hohen Weg zwischen Partnach Alm und der Abzweigung zum Reintalerhof.
Der Telefonmasten ist angeknickt.

Der Schneewinter 1981/1982 bedeutet das Aus für den Reintalerhof

Der Schneewinter 1981/1982 bedeutet das Aus für den Reintalerhof

Hinter der Schneefräse folgt der Traktor um den Weg weiter zu räumen.

Der Schneewinter 1981/1982 bedeutet das Aus für den Reintalerhof

Ein wenig freundlicher schon dieses Bild.
Dennoch auch hier, mit Blick auf den Wank, sieht man den meterhohen Schnee, der die Zufahrt zum Reintalerhof sehr stark behindert hat.

 

Der letzte Winter bot noch so manche Überraschung und einen "Bergnot"-Einsatz.
Petra Neumayer erinnert sich unter anderem noch daran, dass mitten in der Nacht, im Winter, ein Amerikaner erschöpft am Reintalhof eintraf. Nach dem er sich etwas erholt hatte, stellte sich heraus, dass er sich wohl "verlaufen" hatte und direkt von der Zugspitze herunter gekommen war.

Peter Neumayer in Bergnot?
Auch das berichtet Petra Neumayer: Man kam von einem Besuch bei der Oma im Schwarzwald zurück. Es schneite auf das Heftigste.
Mit dem Auto zum Reintalerhof hoch fahren ging überhaupt nicht mehr. Die Straße war ja nicht geräumt und der Unimog mit dem Schneeräumer stand oben auf dem Hof. Was also tun?
Da entschied sich Peter Neumayer, dass Frau und Kind beim Auto warten sollten, während er sich zu Fuss zum Reintalerhof hinaufkämpfen wollte, um dann mit dem Unimog die Straße zu räumen.
Es schneite weiter, Peter Neumayer war aufgebrochen, seine Familie wartete bei den Garagen unten an der Abzweigung von der Wildenauer Straße.
Stunde um Stunde verging, der Unimog kam und kam nicht.
Die Nacht brach herein. Frau Neumayer alarmierte die Polizei. Es war ja das Schlimmste zu befürchten!
Dann begann der Einsatz. Petra wurde zu einer Schulfreundin gebracht, Frau Neumayer wartete bei der Polizei und die Bergwacht macht sich einsatzfertig, um nach Peter Neumayer zu suchen.
Unter Leitung von Herrn Eitzenberger wurde die Suche gestartet. Mit Skiern brach man ins Reintal auf.

Gegen Morgen dann die Überraschung:
Peter Neumayer kam den Bergwachtmännern mit dem Unimog und Schneeräumer entgegen. Er hatte viel länger gebraucht, um zum Reintalerhof zu kommen. Dort machte er erstmal Rast und nahm ein entspannendes Bad! Dann machte er sich ans Schneeräumen und auf den Weg nach unten.
Dass man sich um ihn solche Sorgen machen würde, hatte er ganz einfach nicht bedacht.

 

Familie auf dem Reintalerhof

Zu den letzten Gästen auf dem Reintalerhof dürfte wohl die Familie Wehrhahn zählen. Im Sommer 1982 haben sie sich nochmals vier Wochen Ferien bei herrlichem Wetter gegönnt. Das Zimmer, Küche und Speisesaal und die Alpspitze sind auf dieser Aufnahme ordentlich vermerkt.

Beliebte Wanderziele von Familie Wehrhahn waren unter anderem die Partnachklamm, Bockhütte, Oberreintalhütte, Schachen (von dort ist der Reintaler Hof sehr gut zu sehen), Meilerhütte, Blaue Gumpe (ein Juwel, jetzt leider zugeschwemmt), Reintalangerhütte, Partnachursprung, Knorrhütte, Zugspitze, Kreuzeck, Steubensee und Alpspitze.
Zum Teil sehr ordentliche Touren, die der Kinder wegen natürlich nicht alle mit der gesamten Familie gemacht wurden.

Und Familie Wehrhahn war schon früher zu Gast auf dem Reintalerhof, insgesamt vier Mal.
So zum Beispiel im Sommer 1972 - Zur Zeit der olympischen Spiele in München. Hier die Rechnung. 12 DM kostete damals die Vollpension pro Tag.

Auch 1975 haben sie ein Zimmer reserviert.

Und hier die Bestätigung für eine Reservierung 1978, unterschrieben von Peter Neumayer.

Den Kindern der Familie Wehrhahn gefällt es ausnehmend gut, auf dem kleinen Karussell die Bergkulisse kreiseln zu lassen.

Und auch der Brunnen mit den Zwergerln ist im Sommer 1982 noch in Betrieb.

Eine geradezu surrealistische Bildkomposition:
Familie Wehrhahn am Ufer der blauen Gumpe und darüber leuchtet das Zugspitzplatt.

Aufstieg geschafft, die Meilerhütte ist erreicht. Zeit für eine ausgiebige Brotzeit, denn der Weg vom Reintalerhof bis zu Hütte schleppt sich. Herr Wehrhahn mit Tochter im Sommer 1982.

Auch für Familie Wehrhahn wurde es Sommer 1982 Zeit, endgültig Abschied vom Reintalerhof zu nehmen.

Und ganz problemlos war dann die Abreise vom Reintalerhof nicht. Denn während des vierwöchigen Aufenthaltes gab es eines Nachts ein
Gewitter mit Starkregen, wodurch am Forstweg Richtung Partnachalm ein
Hangstück abrutschte. Die Folge war, dass aus Sicherheitsgründen die Gäste des Reintalerhofs über den 15 Kilometer langen Weg über Klais an- und abreisen mußten.
Familie Wehrhahn konnte also noch über die Partnachalm anreisen, die Rückfahrt am 21. 07. 1982 erfolgte über Klais.

 

Die Rechnung bitte!
420 DM kostete nun ein 14-tägiger Aufenthalt für eine Person auf dem Reintalerhof.

 

Möglicherweise hat auch der beginnende Skandal um die Neue Heimat mit zur endgültigen Schließung beigetragen. Denn am 8. Februar 1982 erschien ein Bericht im Spiegel, in dem aufgedeckt wurde, dass sich mehrere Vorstandsmitglieder unter der Führung von Albert Vietor persönlich, zum Teil auch direkt an den Mietern, bereichert hatten. Eine Woche später entließ der Aufsichtsrat unter dem DGB-Vorsitzenden Heinz Oskar Vetter die Beschuldigten. Die Abwicklung der gewerkschaftseigenen Neuen Heimat begann ...

Bis zur geplanten Schließung wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten durchgeführt, Investitionen in die Küche vorgenommen und der gesamte Hof "auf Vordermann" gebracht, damit der Betrieb durch einen neuen Besitzer schnell wieder aufgenommen werden konnte. Die Gewerkschaft plante und rechnete damit, die Hof möglichst schnell verkaufen zu können.
Und tatsächlich gab es einige Interessenten, denen das Haus ausführlich präsentiert wurde. Man hoffte auf einen Verkaufspreis von ca. 4 Mio. DM.
Der wohl zu hohe Preis, wie auch - wie könnte es zum Ende des Reintalerhofs anders sein, die Wegeprobleme - die Unterspülung des Zufahrtsweges führten dann dazu, dass sich kein neuer Betreiber wie Eigentümer für den Reintalerhof fand.

Sogar einen Fernsehbericht gab es, in dem über die Schließung des Reintalerhofs berichtet wurde.

Die letzte offizielle Karte vom Reintalerhof

Vorder- und Rückansicht des Reintalerhof. Die letzte offizielle Postkarte. Fotografiert von Foto Blumental aus Garmisch-Partenkirchen.

Wohl eine der letzten Postkarten aus dem Reintaler Hof, bevor er 1982 geschlossen wurde.

Vermutlich eine der letzten Postkarten aus dem Reintaler Hof, bevor er 1982 geschlossen wurde.

 

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